Somalia Medical Care e.V.
13. September 2017

Farhiya und ihre lange weg um einen Fistelbehandlung

 Abdisalam Bahwal von UNFPA Somalia, erzählt die Geschichte von einer fistelüberlebenden somalischen Frau, Farhiya, reiste drei Tage lang über die Grenzen hinweg auf der Suche nach eine Fistel-Operation. Zuerst reiste sie nach Norden,  nach Jigjiga, der Hauptstadt der somalischen Region in Äthiopien, wo sie eine Nacht verbrachte. Sie ging dann nach Wajale an der Grenze zwischen Somalia und Äthiopien.

Ich traf Farhiya während meines letzten Besuches im Garowe General Hospital in Puntland. Zwei Wochen nach einer erfolgreichen Fistel-Operation, bereitete sie sich für ihre Entlassung vor. Sie stimmte zu, ihre Geschichte mit mir zu teilen und sagte, dass sie seit sieben Jahren mit geburtsbedingten Verletzungen lebte.

Farhiya ist eine 23-jährige Frau, die zusammen mit 65 anderen Mädchen und Frauen, im Garowe Hospital in Puntland, eine kostenlose Fistelbehandlung erhielt.

Farhiya ist eine lebendige Zeugin für die Ursachen der Geburtsfistel. Sie heiratete im jungen Alter und wurde früh Schwanger.  Im Alter von 15 heiratete sie in einem Dorf auf der äthiopischen Seite der Grenze zwischen Somalia und Äthiopien. Mit 16 wurde sie schwanger. Als ihre Wehnen einsetzten dauerte es vier Tage lang, da es keine qualifizierte Geburtshelfer in ihrem Dorf gab.

„Es gab auch keinen Auto in unserem Dorf, deshalb würde ich mit einem Eselkarren zum nächstgelegenen Gesundheitszentrum im Bezirk Kelafo transportiert, zehn Kilometer von  meinem Dorf entfernt“, erklärte Farhiya.

Im Gesundheitszentrum wurde ihr gesagt, dass ihr Baby gestorben ist. Eine Hebamme führte das Notwendige durch, um das tote Baby zu entfernen.

„Mein Gefühl der Erleichterung nach schlaflosen Tagen der anstrengenden Geburtswehen war mit dem Schmerz des Verlierens meines Babys gemischt“, sagte Farhiya und fügte hinzu: „Ich bin nach Hause gegangen und nächst kaum bemerkt, dass irgend etwas mit mir nicht stimmte. Als ich ein paar Tage später meine Blase nicht kontrollieren konnte, kehrte ich zurück in das Gesundheitszentrum. Es wurde mir mitgeteilt, dass ich wegen der anhaltenden Geburtswehen eine Geburtsfistel erlitten hatte. Es war erstes Mal, dass ich so einer Verletzung hörte. “

Das Personal im Gesundheitszentrum in Kelafo konnte keine Hilfe für Farhiyas Zustand leisten. Ihr wurde gesagt, dass es keine Fistel-Experten in der Umgebung gab. „Ich bin in mein Dorf zurückgekehrt und hoffte, dass die Zeit meine Körper heilen würde. Nach dem Warten von neun Monate ohne Verbesserung, beschloss ich, die Grenze Somalia zu überqueren, um medizinische Versorgung in Galkaio zu erhalten. Ich hatte von der Anwesenheit eines Arztes gehört, der auf die Behandlung von Fistel spezialisiert war. In einem Monat wurde ich zweimal operiert ohne Erfolg „, erklärte Farhiya.

Enttäuscht und deprimiert kehrte Farhiya nach Hause zurück und forderte von ihrem Mann die Scheidung . „Ich fühlte mich schuldig, weil mein Mann mit meinem Zustand fertig werden musste. Ich konnte auch keine Kinder mehr bekommen, „sagte sie und fügte hinzu: „Mein Mann lehnte meine Forderung ab. Er war bereit, mit mir zu leben trotz meines Zustandes, da er mich gesund heiratete.“ Sie sagte, sie blieb weiter in ihrem Dorf, wo sie mit der still leidet und in Isolation lebt. „Ich habe mich vor den Leuten versteckt und  mit meinen Nachbarn keinen Kontakt. Ich behielt die Schmerzen für mich. Nur wenige meiner engen Familienmitglieder wussten, was ich durchmachte „, fügte sie hinzu.

Eine ihrer wenigen Momente der Freude nach vielen Jahren im verheerenden Lebensbedingungen, bekam Farhiya einen Anruf von ihrer Tante, die in Garowe  wohnte am Abend des 23. August. Sie wurde informiert, dass einige internationale Ärzte im Garowe General Hospital angekommen waren,  um Fistel zu Behandeln.

„Meine Tante erzählte mir, dass die Ärzte nur für ein paar Tage bleiben und sie ermutigte mich, nach Garowe  zu kommen. Ich habe über die Sache mit meinem Mann gesprochen. Er stimmte meiner reise zu. Ich ging  in der Hoffnung, dass die Ärzte mir helfen könnten. Er gab mir etwas Geld und schickte mich in den Gode Bezirk „, sagte Farhiya.

Wegen der schlechten Straßenverhältnisse und der Instabilität in einigen Teilen der Regionen zwischen ihrem  Haus und Garowe im Nordosten von Somalia musste Farhiya einen längeren und indirekten Weg nehmen. Zuerst  reiste sie nach Norden durch die Straße nach Jigjiga, der Hauptstadt der somalischen Region Äthiopien, wo sie eine Nacht verbrachte. Sie ging dann nach Wajale an der Grenze zwischen Somalia und Äthiopien.


„Ich reiste weiter nach Osten nach Hargeisa und verbrachte die zweite Nacht dort. Am nächsten Morgen, dem letzten Teil meiner Reise, machte ich einen Tag lang auf den weg nach Garowe, wo ich um Mitternacht am Freitag, den 26. August ankam „, erklärte Farhiya.


Farhiya hat in drei Tagen mehr als 1500 Kilometer zurückgelegt. Sie wechselte die Busse fünfmal. „Ich trat am Samstagmorgen, am letzten Tag der Tünf-Tage-Kampagne, in das Krankenhaus ein. Ich war der letzte Patient, den das Team von Experten Operieten. Ich bin geheilt und ich führe jetzt ein ganz normales Leben wieder zum ersten mal seit sieben Jahren. Ich muss sagen, dass ich sehr glücklich bin „, sagte Farhiya.

 

Die blaue Linie auf der Karte zeigt die Distanz, die Farhiya für den Zugriff auf Fistelbehandlung zurück legte.

Geburtsfistel ist eine der schwersten und tragischsten Geburtsverletzungen. Die meisten Frauen in Somalia gebären ohne jegliche medizinische Hilfe, auch im Notfall ist keinerlei fachkundige Versorgung möglich. Ist bei einer Geburt der Fötus zu groß für den Geburtskanal, so presst der kindliche Kopf in tagelangen Wehen mit großer Kraft und drückt das umliegende mütterliche Gewebe gegen die Knochen. Die Blutversorgung wird unterbrochen, das Gewebe stirbt ab. Die Blutversorgung in das umgebende mütterliche Gewebe wird unterbrochen, dieses stirbt ab. Nach Tagen kommt es in den meisten Fällen zu einer Totgeburt. 30-40% der Mütter sterben während einer solchen Geburt. Überlebt aber die Mutter, bleibt sie schwer verletzt. Das geschädigte Gewebe kann nicht vom Körper wiederhergestellt werden, es entsteht eine bleibende Öffnung zwischen Blase und Scheide, manchmal aber auch zum Enddarm. Die betroffenen Frauen leiden für den Rest ihres Lebens an schwerster Inkontinenz. Es kommt oft zu chronischen medizinischen Probleme wie Depressionen, soziale Isolation und Vertiefung der Armut.

Mehr als 2 Millionen Frauen in Afrika südlich der Sahara, Asien, der arabischen Region und Lateinamerika und der Karibik leben nach Einschätzungen mit Fistel, und etwa 50.000 bis 100.000 neue Fälle entwickeln sich jährlich. Dennoch ist es fast gänzlich vermeidbar. Seine Beharrlichkeit ist ein Zeichen globaler Ungleichheit und ein Hinweis darauf, dass Gesundheit Systeme ist gescheitet die Gesundheit und die Menschenrechte der ärmsten und schwächsten Frauen und  Mädchen zu schützen.

Unsere Verein unterstützt die Kampagne, um Fistel zu beenden, SOMCARE will medizinische Versorgung,  Schulung und Mittel für Fistelprävention, Behandlung und soziale Wiedereingliederungsprogramme fordern. Wir stärken auch die Fortpflanzungsgesundheit und die Notfall-Geburtshilfe, um zu verhindern, dass Fistel in erster Linie auftritt.

 

Quelle UNFPA

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